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# Das Transparenzregister ist neu. Das Muster nicht: Bern macht Gesetze auf Druck von aussen
- URL: https://www.vogunte.ch/das-transparenzregister-ist-neu-das-muster-nicht-bern-macht-gesetze-auf-druck-von-aussen/
- Published: 2026-10-07T04:30:49.000Z
- Updated: 2026-10-07T04:30:48.000Z
- Description: Das Schweizer Transparenzregister ist neu. Das Muster dahinter nicht: Bern beschliesst Gesetze, die es nicht wirklich will, weil externe Gremien es verlangen, und wer genug Einfluss hat, kauft sich heraus.
- Author: Recherche
- Tags: f85, Schweiz, Recherchen

*Hinweis: Die Quellen sind der Einfachheit halber direkt im Text verlinkt – einfach draufklicken, und man landet direkt bei der Originalquelle.*

#### Geldwäscherei und wie sie funktioniert

Ein bekanntes Beispiel dafür, wie Schwarzgeld selten in Koffern steckt, sondern in Firmenkonstrukten: Im April 2016 veröffentlichte ein internationales Journalistennetzwerk über 11,5 Millionen Dokumente einer Anwaltskanzlei in Panama, bekannt als die [Panama Papers](https://www.icij.org/investigations/panama-papers/?ref=vogunte.ch). Darin tauchten Hinweise auf über 214'000 mögliche Scheinfirmen auf, mit Sitzen in Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln, Panama und den Bahamas. Die Spuren führten zu Personen aus über 200 Ländern.

Die Masche folgt einem Muster. Erstens braucht es eine Briefkastenfirma: kein Personal, keine Produktion, nur Papier und ein Bankkonto im Ausland. Zweitens eine Kette: Firma A gehört nicht einer Person, sondern Firma B, welche Firma C gehört. Jede in einem anderen Land. Für Ermittler heisst das, in jedem Land separat anzufragen, oft langsam und ergebnislos. Drittens ein Strohmann: Steht doch ein Name im Dokument, ist es meist ein Stellvertreter, nicht der Drahtzieher. [Laut einem Bericht der FATF und der Egmont Group](https://www.aml.gov.sa/en-us/GuidanceReports/Concealment%20of%20Beneficial%20Ownership.pdf?ref=vogunte.ch) haben in der Mehrheit solcher Fälle Profis mitgeholfen: Treuhänder, Anwälte, Buchhalter.

Die Schweiz ist in dieser Geschichte keine unbeteiligte Beobachterin. In den Pandora Papers, einem weiteren Dokumenten-Leak, sind über 90 Schweizer Rechts-, Notariats- und Beratungsfirmen namentlich aufgetaucht, [wie ICIJ im Oktober 2022 festhielt](https://www.icij.org/investigations/pandora-papers/switzerland-aims-to-track-corporate-ownership-in-attempt-to-curb-money-laundering/?ref=vogunte.ch).

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#### Das neue Gesetz und was es verlangt

Zuständig für internationale Standards in diesem Bereich ist die GAFI (Groupe d'action financière), mit Sitz in Paris. Die GAFI macht keine eigenen Gesetze, gibt aber Empfehlungen heraus und prüft regelmässig, ob die Mitgliedstaaten sie umsetzen. Ihr Ziel: Jeder Staat soll wissen, wem eine Firma mit Sitz im Land wirklich gehört. [Was die FATF ist und macht, beschreibt sie auf ihrer Website.](https://www.fatf-gafi.org/en/the-fatf/who-we-are.html?ref=vogunte.ch)

Das Ergebnis für die Schweiz ist das Transparenzregister, das [laut Bundesamt für Justiz](https://www.bj.admin.ch/de/newnsb/L0rkU9ZvCFSw?ref=vogunte.ch) seit dem 1\. Oktober 2026 gilt. Meldepflichtig sind in der Schweiz eingetragene Aktiengesellschaften, GmbHs und Genossenschaften sowie ausländische Firmen mit Schweizer Niederlassung oder Grundstücken. Gemeldet werden muss, wer mindestens 25 Prozent einer Firma hält. Das läuft online über EasyGov, kostet nichts und soll laut Bund rund 20 Minuten dauern. Wer sich vorsätzlich nicht meldet, riskiert eine Busse von bis zu 500'000 Franken. Die Details stehen im [Bundesgesetz über die Transparenz juristischer Personen](https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2025/2900/de?ref=vogunte.ch).

Einen Vorbehalt gibt es beim Zugang: Einblick haben nur Behörden und Finanzdienstleister, die ihre Kunden prüfen müssen. Die Öffentlichkeit bleibt aussen vor. Und bestimmte Unternehmensformen sind ganz ausgenommen: börsennotierte Firmen, Stiftungen und Vereine.

#### Beschlossen, weil Paris es will, nicht weil Bern es glaubt

Hier wird es ungewöhnlich. Ständerat Daniel Jositsch hat das Gesetz im Rat vertreten und gleichzeitig offen gesagt, dass er es für wirkungslos hält. Gesetze gegen Geldwäscherei gebe es seit 1990, und trotzdem werde heute mehr Geld gewaschen als damals. Er habe noch nie gesehen, dass ein Drogenkartell deswegen aufgehört habe.

Finanzministerin Karin Keller-Sutter klang ähnlich nüchtern: Das Register sei nur ein Mittel unter vielen. Für sich allein sei es nicht das, was wirke.

Trotzdem stimmte der Nationalrat mit 121 zu 70 Stimmen Ja, der Ständerat mit 30 zu 14.

Der Grund liegt ausserhalb des Parlaments: Voraussichtlich ab Juni 2027 kommt die GAFI in die Schweiz und prüft, ob ihre Standards umgesetzt wurden. Fällt die Schweiz durch, droht die graue Liste. GLP-Nationalrat Beat Flach warnte im Nationalrat vor einer möglichen Einstufung als «Hochrisikostaat», mit Folgen für Banken, Dienstleistungen und Wettbewerbsfähigkeit. ([Amtliches Bulletin, Nationalrat, 12\. Juni 2025](https://ws.parlament.ch/odata.svc/Transcript?$filter=IdSubject%20eq%2068263%20and%20Language%20eq%20%27DE%27&$format=json&ref=vogunte.ch).) Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy fasste es pragmatisch zusammen: Wer in diesen Märkten mitspielen wolle, müsse sich an gewisse Regeln halten. Die [Schweizerische Bankiervereinigung](https://www.swissbanking.ch/%5FResources/Persistent/4/9/d/2/49d2e48d67a2a09fb2aa91684a54f306512876ab/Stellungnahme%5FSBVg%5Fzum%5FTJPG.pdf?ref=vogunte.ch) begrüsste das Register ausdrücklich: Die Schweiz sei damit im Einklang mit den internationalen Vorgaben.

Was Keller-Sutter und Jositsch im Ständerat ausserdem sagten, erklärt den Entscheid deutlicher als jedes Communiqué. Keller-Sutter: Die Schweiz sei wirtschaftlich stark, aber «keine politische Macht». Solche Länder würden halt diszipliniert. Jositsch formulierte es noch direkter: Man müsse halt «jeden Unsinn» mitmachen, und das schon seit dreissig Jahren. ([Amtliches Bulletin, Ständerat, 18\. Dezember 2024.](https://ws.parlament.ch/odata.svc/Transcript?$filter=IdSubject%20eq%2066697%20and%20Language%20eq%20%27DE%27&$format=json&ref=vogunte.ch))

#### Wer es sich leisten konnte, auszusteigen

Die Grünen kritisierten, das Gesetz entspreche den internationalen Standards nur ansatzweise. Der Hauptgrund dafür sind die Ausnahmen, allen voran die für Stiftungen und Vereine.

Deren Ausschluss ist kein Zufall. [SwissFoundations, der Stiftungsverband](https://www.swissfoundations.ch/aktuell/stiftungen-und-vereine-definitiv-von-transparenzregisterpflicht-befreit/?ref=vogunte.ch), schreibt selbst, er habe rund zwei Jahre lang in beiden Räten dafür gekämpft. Mit Erfolg. Die Begründung: Gemeinnützigen Stiftungen und Vereinen gehöre im eigentlichen Sinn niemand, und sie würden ohnehin bereits beaufsichtigt. Auch die Bankiervereinigung hatte eine Ausnahme für Stiftungen verlangt.

Auf der anderen Seite steht die Feststellung von Grünen-Nationalrätin Meret Schneider: Zwischen 2020 und 2024 habe die staatliche Meldestelle für Geldwäscherei mehrere hundert Verdachtsmeldungen zu Stiftungen und Vereinen erhalten.

Das Muster ist nicht auf das Transparenzregister beschränkt. Bei der OECD-Mindeststeuer für Konzerne lautete das Argument des Bundesrats ähnlich: Mache die Schweiz nicht mit, würden Gewinne, die eigentlich in der Schweiz versteuert werden sollten, im Ausland einkassiert. Die USA haben sich inzwischen eine Ausnahme herausverhandelt, [wie economiesuisse im Januar 2026 festhielt](https://www.economiesuisse.ch/de/artikel/oecd-mindeststeuer-us-ausstieg-definitiv?ref=vogunte.ch). Die Kleinen machen mit. Die Grossen machen die Ausnahmen.

#### Mein Fazit

Das Transparenzregister ist kein schlechtes Gesetz. Aber es ist ein Gesetz, das die Schweiz nicht aus innerer Überzeugung gemacht hat, sondern weil eine externe Behörde es verlangt und 2027 nachschauen kommt. Was an diesem Fall sichtbar wird: Formal entscheidet die Schweiz zwar selber. Was sie entscheidet, geben in vielen Fällen aber andere vor. Souverän, im echten Wortsinn, ist man erst, wenn man auch Nein sagen kann.

*René von Gunten recherchiert für VoGunte, den unabhängigen Schweizer Kanal zu Politik und Gesellschaft.*